Anekdoten

Türkenlouis und Großwesir in der Schlacht

Einzug des Markgrafen Ludwig Wilhelm in Baden nach dem Türkenkriege
Der Große Türkenkrieg (1683-99) leitete die Phase der Vertreibung der Osmanen in Europa ein. Eine der vernichtenden Niederlagen brachte ihnen Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden bei Novi Slankamen am 19. August 1691 bei. In seiner Heimat erhielt der Sieger fortan den Namen "Türkenlouis" und wurde enthusiastisch gefeiert.

Hoch, hoch! sei gerufen. Prinz Ludwig der Held
Als Sieger heimkehrt von hungarischem Feld:
Dort lernten die Türken bei Salankemm,
Wie schwer es, dem Markgraf genüber zu steh´n,
Schon wollte es schief geh´n, als er wie im Nu
Den Reitern links am Flügel auf einmal sprengte zu;
"Jetzt gilt´s ihr Dragoner! Den Pallasch heraus!"
"Und drauf! Immer weiter! Wie Wettergebraus."
Die Erde erbebte. Der Markgraf voran
Auf schneeweißem Schimmelhengst stürmte er an.
Was stand, - überritten. - Hier Stoß - dort ein Hieb,
Ein Wunder, wenn ein Strohhalm aufrecht
noch stehen blieb." (...)
(Franz Mallebrein)

Uhr mit Schnitzwerk und Bemalung

Die weiße Frau
Schlösser, Burgen und nächtlich umgehende gespenstische Frauen gehen in vielen Legenden und Überlieferungen eine enge Verbindung ein. Auch das Rastatter Schloss ist da nicht ausgenommen:

Eine alte badische Sage erzählt von der "weißen Frau", die der Herrscherfamilie bei ihrem Umzug von Baden-Baden nach Rastatt in die neue Residenz folgte. Sie erscheine meist bei Nacht und trage ein schneeweißes Gewand und über dem Gesicht einen feinen durchsichtigen Schleier, der von einem matten Lichtstrahl beleuchtet sei. Den starren und grauenvollen Blick ihrer schwarzen Augen solle demjenigen, den er treffe, unvergesslich bleiben. Ihr schweigendes Erscheinen in den Räumen und Fluren, in der Kapelle und im Garten kündige immer den Tod eines der Mitglieder der fürstlichen Familie an.

Revolution 1849

Die Revolution in Rastatt
Am 13. Mai 1849 meuterte im Zuge der Revolution in Rastatt die Garnison. Die zur Abwehr eingesetzten Soldaten sahen dem Aufstand tatenlos zu und schlossen sich zum Teil den Aufständischen an. Schon am 21. Juni beendeten preußische Truppen mit ihrem Sieg bei Waghäusel den Aufstand und hielten am 13. August eine Parade vor dem Rastatter Schloss ab.

Ballustradenfigur am Schloss

Das Rastatter Schloss
Das 19. Jahrhundert mit seinem ausgeprägten Geschichtsbewusstsein hatte auch die Denkmalpflege auf seine Fahnen geschrieben. So druckte das Freiburger Wochenblatt 1835 eine Hymne auf das Rastatter Schloss ab, die seine Erhaltung forderte.

"Noch hat kein Sänger sich erhoben,
Dich hohes, edles Schloss zu loben
Und zu besingen deine Pracht!
Haus, das so großes hat gesehen,
Wie sollst klanglos du vergehen,
Ein frühes Opfer Saturns Macht?
(...)
Einst herrscht' im Schlosse reges Leben,
Und deutscher Helden kühnem Streben
Ward hier manch schallend Hoch gebracht.
Doch längst verscholl der Klang der Becher,
Und durch die öden Prunkgemächer
Rauscht sagenreich die Mitternacht.
Wie schaurig, Haus, verwaist für immer,
Glühst du im rötlich düstr'n Schimmer
Spät abends in der Sonne Gold,
Wenn Phöbus seinen Sonnenwagen,
Auf Feuerwolken fortgetragen,
Hinab zum fernen Weltmeer rollt!
(...)
Und donnernd ruft es aus den Höhen:
"Lasst ja den Frevel nicht geschehen,
Die ihr euch Badens Söhne nennt;
Gestattet nicht, dass sie verderbe,
Die schönste Perl' in Badens Erbe,
Erhaltet Ludwigs Monument!"

Detail des Fayenceofens im Vorzimmer des Markgrafen

Quark und Eier
Eine Rechnung über sechs Eier und ein Kilo Quark war für den Bauleiter der Restaurierungsmaßnahmen in der Belétage des Rastatter Schlosses auch in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts nichts Ungewöhnliches: Diese Lebensmittel dienten den Restauratoren nicht etwa zur Zubereitung einer stärkenden Mahlzeit, die Eier wurden vielmehr für Vergoldungen und der Quark für einen Kaseinanstrich benötigt...

 

Weitere Informationen zu Rastatt
 
 
Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook