Der Ahnensaal
Im zentralen Festsaal des Schlosses, dem Ahnensaal, verweist die Reihe der Ahnenporträts auf die jahrhundertalte Herrschaft des Hauses Baden-Baden. Das Deckenfresko zeigt die Aufnahme des Herkules in den Olymp: Wie Herkules die Welt von Übeln befreite, so verteidigte Ludwig Wilhelm das Reich gegen die Türken und trug damit zur Rettung der Christenheit bei. Auch die gefesselten Sklaven, die von Kriegstrophaen überfangen, auf den korinthischen Wandpilastern kauern, wecken die Erinnerung an die siegreichen Schlachten des kaiserlichen Generalleutnants.
Schloss Rastatt: Der Winter. Deckengemälde von Paolo Manni, 1701/ 1703. Schlafzimmer des Markgrafen.
Auf der rechten Seite des Ahnensaals liegt das Staatsappartement des Markgrafen, auf der linken das Staatsappartement der Markgräfin. Beide sind in vollständiger Abfolge erhalten geblieben. Gemäß dem höfischen Zeremoniell steigerte sich die Bedeutung der Räume innerhalb der beiden Appartements, die als Raumfluchten angelegt sind. Parallel zur Bedeutung nahm auch die Pracht der Ausstattung von Raum zu Raum zu.
Darauf folgte das Audienzzimmer, wo Staatsempfänge und offizielle Regierungsgeschäfte stattfanden. in der Mitte der Westwand war der Thron mit dem Thronhimmel aufgebaut. Je nach Rang saßen die anwesenden Regierungsmitglieder auf einem Rücklehnsessel, einem Lehnsessel oder auf einem Hocker.
Schloss Rastatt: Prunkschlafzimmer des Markgrafen mit Stuckdekorationen, vermutlich von Giovanni Battista Artario nach 1704 geschaffen.
Die Krönung des Appartements war das Prunkschlafzimmer, in dem sich die volle Pracht fürstlicher Repräsentation entfaltet: Hier erreichte das höfische Zeremoniell seinen Höhepunkt. Das Deckengemälde zeigt eine Allegorie des Winters und die dazugehörigen Tierkreiszeichen. Das Prunkbett steht in einem von Doppelpilastern und -säulen eingefassten Alkoven mit reicher teilvergoldeter Stuckdekoration. Putti halten eine Lorbeergirlande, die auf den Ruhm des von ihnen bewachten Schlafenden hinweist.
Das Porzellan- oder Spiegelkabinett schließt die Raumfolge ab. Hier stellte der Markgraf seine persönlichen Sammlungen aus und lud bei wichtigen Regierungsfragen zum Vieraugengespräch. Der Raum erhielt seinen Namen von den zahlreichen Spiegelscheiben, die in die reich geschnitzte und vergoldete Wandvertäfelung eingelassen sind. Auf den ringsum angebrachten Konsolen standen über einhundert Porzellan- und Fayencevasen, Becher und Urnen sowie bunt geschliffene Glasfläschchen.
Das anschließende Schreibkabinett ist in die Geschichte eingegangen: Prinz Eugen von Savoyen und der französische Feldmarschall Villars sollen 1714 hier den Rastatter Frieden unterzeichnet haben, der den spanischen Erbfolgekrieg beendete. Die Wandvertäfelung aus Nussbaumholz wurde unter Markgraf Ludwig Georg angebracht.
Dem Markgrafen stand auch ein Privatappartement zur Verfügung: Es war von den Prunkräumen aus zugänglich und lag der Seite zum Ehrenhof hin. Die drei deutlich schlichter ausgestatteten Räume waren dem Fürsten und seiner Familie vorbehalten und ausschließlich für private Wohnzwecke bestimmt.
Schloss Rastatt: Zweites Zimmer im Privatappartement des Markgrafen.
Das Appartement der Markgräfin
Das Staatsappartement der Markgräfin unterscheidet sich in Stil und Ausführung wesentlich von dem ihres Gemahls. An den Raumdecken wirken die Stuckaturen und die gemalten Architekturelemente auf eindrucksvolle Weise mit dem Hauptbild zusammen, die Grenzen der Wahrnehmung verschwimmen. Die illusionistische Architekturmalerei scheint die flache Decke zu wölben und in eine darüber liegende Spähre zu öffnen. Diese Dekorationsform wurde in Italien seit dem 16. Jahrhundert zu höchster Vollendung entwickelt. Die Rastatter Decken gehören zu den frühesten Beispielen dieser Art in Deutschland und belegen den modernen Geschmack Ludwig Wilhelms und seines Architekten.
Schloss Rastatt: Vorzimmer der Markgräfin mit Fayenceofen und Tapisserien: Exotische Landschaften, Aubusson.
Im Vorzimmer zeigt das Deckenbild die Vereinigung von Bacchus und Ariadne, ein Hinweis auf die irdische Vermählung Sibylla Augustas mit Ludwig Wilhelm. Während hier die Architekturmalerei Ton-in-Ton gehalten ist, entfaltet sich im angrenzenden Audienzzimmer farbenfrohe Malerei mit spielenden Putten. Im Deckengemälde ist anhand des Mythos von Alkmene und ihrem Sohn Herkules die Hauptaufgabe der Fürstin beschrieben, die Erziehung eines Prinzen zum künftigen Helden.
Im Schlafzimmer der Markgräfin zeigt das Deckenbild den "Schlaf der Venus", ein für Schlafräume typisches Motiv. Kunstvolles vergoldetes Rahmenwerk zieht sich über die Decke und umgibt das Gemälde. Über der Bettnische erhebt sich ein prachtvoller Triumphbogen.
Schloss Rastatt: Prunkbett im Schlafzimmer der Markgräfin.
Im Miniaturenkabinett waren einst die Wände mit 143 Miniaturgemälden in vergoldeten Rahmen verziert, die leider verloren sind.
Im Privatappartement der Markgräfin, ebenfalls aus drei Zimmern bestehend, wird das Deckenprogramm mit der Darstellung weiblicher Gottheiten weiter geführt. So symbolisiert beispielsweise die Flora Wachstum und Wohlstand und repräsentiert damit Markgräfin Sibylla Augusta, die für das Wohl des Landes sorgt.