Bewegtes Leben – zum Geburtstag der Markgräfin Sibylla Augusta

Prinzessin Sibylla Augusta als Kind

Am 21. Januar 1675 kam Prinzessin Franziska Sibylla Augusta auf die Welt. Sie war die zweite Tochter des Herzogs Julius Franz von Sachsen-Lauenburg, einem der wohlhabendsten Fürsten des Reiches. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in Schloss Schlackenwerth, das bei ihren Zeitgenossen für seinen Garten berühmt war – im Hintergrund des Kinderporträts angedeutet. Schulunterricht erhielt Sibylla Augusta durch die Piaristen, einen Orden, der sich die Schulerziehung zur Aufgabe gemacht hatte und seit 1666 in Schlackenwerth ansässig war.

Ihre Mutter Maria Hedwig Auguste von Pfalz-Sulzbach starb 1681. Die Erziehung der sechsjährigen Prinzessin und ihrer drei Jahre älteren Schwester Anna Maria Franziska (1672-1741) übernahm Gräfin Polixena von Werschowitz – eine Frau, von der ihre Zeitgenossen kein gutes Bild gezeichnet haben. Von ihrem Vater erhielten die Prinzessinnen fundierte Kenntnisse in der Regierungs- und Verwaltungstätigkeit. Sibylla Augusta führte die Verwaltung ihrer böhmischen Besitzungen selbst.

Die beiden Prinzessinnen, wohl im Jahr ihrer Heirat. Öl auf Leinwand. Unbekannter böhmischer Hofmaler, um 1690.

Die beiden Prinzessinnen, wohl im Jahr ihrer Heirat
Allianzwappen Sachsen-Lauenburg und Baden


Der unerwartete Tod des Vaters 1689 fünf Tage (!) nach dem Aufsetzen seines Testaments machte die beiden unmündigen Prinzessinnen zum Spielball politischer und finanzieller Interessen im ganzen Reich. Die Universalerbinnen, die jeweils die Hälfte des immensen herzoglichen Privatbesitzes erhielten, konnten sich mit ihrem Anspruch einer weiblichen Erbfolge nicht durchsetzen.

Staatsporträt Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden

Herzog Julius Franz hatte Kaiser Leopolds I. das Recht eingeräumt, bei der Eheschließung seiner Töchter mitzureden – das Heiratskarussell begann sich zu drehen! Nicht wenige Fürsten äußerten ihr Interesse an der Heirat mit einer der reichen Erbinnen. Der Kaiser selbst wollte seine Mündel an bevorzugte Verbündete vermitteln: Seinem verdienten Feldherrn, Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, bot er die Ehe mit der älteren Prinzessin Anna Maria Franziska an. Seinem Vetter, Prinz Eugen von Savoyen, ebenfalls Feldherr im kaiserlichen Dienst, war die jüngere Prinzessin zugedacht.
Markgraf Ludwig Wilhelm, so heißt es, habe sich dann doch für die jüngere Prinzessin entschieden – vielleicht hatte ja Sibylla Augusta auch mitbestimmt! Ihre Verlobung wurde am 14. Januar 1690 gefeiert, die Hochzeit folgte an Ostern 1690.

Schloss Schlackenwerth

Das markgräfliche Paar residierte zunächst in Schlackenwerth. Dann erhielt Ludwig Wilhelm 1692 den Oberbefehl im Krieg gegen Frankreich. Die folgenden Jahre wurden für die Markgräfin eine ruhelose Zeit mit wechselnden Aufenthalten in Nürnberg, Augsburg, Aschaffenburg, Heilbronn und Günzburg. Von ihren neun Kindern, die Markgräfin Sibylla Augusta alle bis auf die beiden jüngsten Söhne außerhalb Badens geboren hatte, blieben nur drei am Leben: der 1702 in Ettlingen geborene Ludwig Georg Simpert, die 1704 in Aschaffenburg geborene Augusta Maria Johanna und der 1706 in Rastatt geborene August Georg.

Porträt Markgräfin Sibylla Augusta

Die Friedenszeit ab 1697 nutzte das Paar zum Bau des Residenzschlosses in Rastatt, in das sie 1705 einziehen konnten. Nach dem Tod ihres Mannes im Januar 1707 übernahm die Markgräfin unter den denkbar schwierigsten Umständen die Regierung.

Zwanzig Jahre später übergab Sibylla Augusta die Regierung an ihren Sohn und zog sich nach Schloss Ettlingen zurück. Hier starb sie am 10. Juli 1733 nach einer langen und schweren Krankheit und wurde – eigenen Wünschen entsprechend – ohne jeden Prunk in ihrer Rastatter Schlosskirche beigesetzt.

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