Das Deckengemälde in der Rastatter Schlosskirche überspannt den gesamten Raum und ruht mit Stichkappen seitlich auf den Wandpfeilern. Es beherrscht mit seinen leuchtenden Farben und den lebhaften, detaillierten Bilderzählungen den gesamten Innenraum. Bemerkenswert sind vor allem die szenographische Effekte und die Öffnung von Illusionsräumen, wobei die Scheinarchitektur jedoch der figurenreichen, lebendigen Erzählung untergeordnet ist.
Thema des Deckengemäldes ist die Legende der Kreuzauffindung und -erhöhung durch die heilige Helena. In der Überlieferung heißt es, Helena, die Mutter Kaiser Konstantins des Großen, habe das Kreuz Jesu unter einem heidnischen Tempel gefunden. Es ist ein Bild des Sieges, des Triumphs des christlichen Glaubens, der Romtreue und nicht zuletzt der christlichen Bauherrin. Denn die besondere Bedeutung dieser Darstellung liegt in der Identifikation der Markgräfin mit der heiligen Helena: Die Heilige trägt die Gesichtszüge der Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden, der Erbauerin der Schlosskirche. Sibylla Augusta macht damit ihren weltlichen Machtanspruch als Regentin der Markgrafschaft Baden-Baden deutlich. Darüber hinaus hebt dieser sakrale Kontext die Dargestellte auf eine andere, höhere Ebene. Der Wahrheitsgehalt, der Absolutheitsanspruch und die Gottesnähe des Sakralen gehen auf die Porträtierte über.
(Aus: Sigrid Gensichen: „Die Heilige Stiege und die Schlosskirche Zum Heiligen Kreuz an der Rastatter Residenz“, in: Extra Schön. Markgräfin Sibylla Augusta und ihre Residenz, Ausstellungskatalog, Herausgeber: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, 2008, ab 13. Juli unter www.shop-staatsanzeiger.de bestellbar)
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