Die Tochter: Heiraten für das Haus Baden

Prinzessin Augusta Maria Johanna, um 1725

Ein absolutes Politikum für das Haus Baden – der wohlbehüteten und gut erzogenen Prinzessin Augusta Maria Johanna den richtigen Ehemann auszusuchen! Der eine Heiratskandidat aus dem Haus der Fürsten von Thurn und Taxis war reich, hatte aber keine Krone zu bieten. Der andere, Herzog Ludwig von Orleans, war sehr reich und stammte aus der französischen Königsfamilie. Diese Verbindung sah die Markgräfin, unterstützt von Fürstbischof von Schönborn, als eine der „ganz großen Allianzen in Europa“. Sie brachte dem Haus Baden Prestigegewinn und der Markgrafschaft eine Art Friedenssicherung.

Viel Diplomatie war nötig, um schließlich den Heiratsvertrag mit Frankreich, wenige Jahre zuvor noch ein militärischer Gegner, abzuschließen. Darin geregelt wurde nicht nur die Aussteuer der Braut, sondern vor allem die politischen und dynastischen Folgen dieser Ehe: Der französische König selbst musste bestätigen, dass Frankreich auf alle Erbanteile an badischen Besitztümern verzichtete.

Herzog Ludwig von Orléans, um 1725, Staatsporträt

Und ganz persönlich?

Die Prinzessin favorisierte den Prinzen von Thurn und Taxis und leistete energisch Widerstand gegen eine französische Verbindung. Die Markgräfin war tief bestürzt, als sie von französischer Seite die eindeutige Erklärung bekam, man erhoffe sich von ihrer Tochter vor allem gesunde Nachkommen, andernfalls erfolge die Verbannung der Herzogin in ein einsames Landhaus. Doch weder persönliche Neigungen noch mütterliche Ängste konnten die politisch wichtige Verbindung verhindern: Am 18. Juni 1724 wurde die Vermählung vollzogen. Denn eine hochadelige Ehe war zu der Zeit keine persönliche Angelegenheit der Betroffenen, sondern Staatspolitik.

Wohl Augusta Maria Johanna auf dem Totenbett, um 1741

Wie ging es weiter?

Nach den standesgemäßen Hochzeitsfeierlichkeiten erfolgte der feierliche Auszug der Prinzessin von Rastatt bis Paris, der einen Monat dauerte und durch ein Tagebuch überliefert ist. Am französischen Hof scheint es Augusta Maria Johanna insgesamt nicht schlecht gegangen zu sein. Schon bald erfüllte sie die Erwartungen und brachte am 13. Mai 1725 einen gesunden Jungen zur Welt. Doch ein gutes Jahr später starb sie bei der Geburt ihrer Tochter am Kindbettfieber.

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