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Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden – der Türkenlouis

Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, der spätere Türkenlouis, kam 1655 in Paris zur Welt. Sein Taufpate und Namensgeber war kein geringerer als König Ludwig XIV. von Frankreich. Ludwig Wilhelms Vater Ferdinand Maximilian (*1625) hatte im Jahr zuvor Luisa Christina von Savoyen-Carignan (1627-1689) geheiratet und bewegte sich damit in der Welt der großen Adelshäuser Europas. Luisa Christina weigerte sich jedoch, mit Ferdinand Maximilian in der deutschen Provinz zu leben. Darum kehrte er allein mit dem vier Monate alten Erbprinzen nach Baden zurück. Ludwig Wilhelm sah seine Mutter nicht mehr wieder. Sein Vater starb bereits 1669. So übernahm der Großvater die Regentschaft und die Erziehung des Prinzen, der 1677 die Regierung seiner Markgrafschaft antrat.

Als 1683 das Heer des Sultans Wien belagerte, zog der junge Markgraf für Kaiser Leopold I. von Österreich in den „Türkenkrieg“. Ludwig Wilhelm zeichnete sich aus und wurde mit dem Oberkommando betraut. Wegen seiner Verwegenheit begannen seine Soldaten, ihn den „Türkenlouis“ zu nennen. Im August 1691 erfocht sein Heer nordwestlich von Belgrad den großen Sieg von Slankamen. Der „Türkenlouis“ stand auf dem Gipfel seines Erfolges. Im Jahr zuvor hatte er, mit Fürsprache und Unterstützung des Kaisers, um die Hand von Prinzessin Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg angehalten. Sie war die Universalerbin ihres Vaters und galt als eine der besten Partien des ganzen Reiches. Mit den Einkünften ihrer böhmischen Ländereien konnte der Markgraf später die Residenz in Rastatt erbauen lassen.

1693 wechselte Ludwig Wilhelm an den Oberrhein und übernahm dort den Befehl gegen die Truppen König Ludwigs XIV. Der Sonnenkönig lag seit 1667 fast ununterbrochen mit dem österreichischen Kaiser im Krieg. Mehrfach hatten französische Truppen die Länder am Oberrhein verwüstet. 1689 war Baden-, der Stammsitz der badischen Markgrafen, Baden von ihnen niedergebrannt worden.
Ludwig Wilhelm nahm das zum Anlass, sich ab 1698 bei Rastatt ein neues Schloss mit Park und planvoll angelegter Stadt errichten zu lassen. Ludwig Wilhelm war der erste deutsche Fürst, der – trotz aller Feindschaft – das Versailler Schloss Ludwigs XIV. als Vorbild sah.

Im Krieg gegen die französischen Truppen agierte Ludwig Wilhelm überaus vorsichtig. Außerdem kritisierte er immer häufiger die Politik des Wiener Hofes. Das weckte den Argwohn des Kaisers. Ludwig Wilhelm fühlte sich seinerseits von Leopold gekränkt. Er war nicht in den Kreis der Kurfürsten erhoben worden. Seine Hoffnung auf den polnischen Königsthron hatte sich ebenfalls zerschlagen. Vom Kaiser waren jeweils andere Kandidaten unterstützt worden. Als der Türkenlouis 1707 starb, galt er manch einem am Wiener Hof als Verräter und in Baden kursierten Spottverse auf seine zuletzt zögerliche Kriegsführung.

Auf längere Sicht kam der Markgraf wieder zu Ehren. 1754 errichtete ihm sein Sohn, Markgraf Ludwig Georg Simpert (1702-1761), in der Stiftskirche von Baden-Baden ein prachtvolles Grabmal. Noch wirkungsvoller handelte Ludwig Georg jüngerer Bruder, August Georg (1706-1771). Kurz vor seinem Tod ließ er die so genannte „Türkenbeute“ in einem besonderen Raum des Rastatter Schlosses zusammentragen. Es handelte sich um Trophäen, die Ludwig Wilhelm und andere Mitglieder des markgräflichen Hauses den Osmanen abgenommen hatten. Das war der Beginn ihrer musealen Ausstellung, die prachtvolle Sammlung ist heute im Badischen Landesmuseum Karlsruhe zu sehen. Der patriotisch gestimmte Schulunterricht des 19. Jahrhunderts tat ein Übriges, um Ludwig Wilhelm als Helden und Türkenlouis in der volkstümlichen Erinnerung zu verankern. Dort hat er bis heute seinen Platz.

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