Die Europäer begegneten den Osmanen über Jahrhunderte in einer Mischung aus Furcht und Faszination. Am Ende des 17. Jahrhunderts nahmen die Siege der kaiserlichen Truppen dem zuvor selten bezwungenen Gegner seinen Schrecken. Nun fiel es leichter, sich der Faszination des Fremden hinzugeben. Nicht zufällig kam an den europäischen Höfen damals die Mode auf, sich im türkischen Kleid porträtieren zu lassen.
Die „Türkenmode“ veränderte Europas Musik. Auslöser war die Begegnung mit den Feldkapellen der Janitscharen. Während der Schlacht spielten sie mit Blasinstrumenten, Becken und großen Pauken auf. Die Kombination von Melodie und durchschlagendem Takt erzielte enorme psychologische Wirkung. Das ahmte zuerst die europäische Militärmusik nach. Ihrem Vorbild folgten gegen Ende des 18. Jahrhunderts Kompositionen von Haydn, Mozart und Beethoven.
Der Orient ließ sich auch schmecken. Im osmanischen Reich blühte seit dem 16. Jahrhundert eine Kaffeehauskultur. Um 1650 erreichte sie Europas Seestädte und eroberte im Gefolge des Türkenkrieges von 1683 das Herz des Kontinents. Den Mocca begleiteten der Tee aus Ostasien und die Schokolade aus der Neuen Welt. Gemeinsam veränderten sie Europas Alltagskultur. Mit ihnen verbreitete sich das ursprünglich aus China stammende Porzellan. Es war geschmacksneutral, leitete wenig Wärme und ermöglichte dadurch, die neuen Heißgetränke schmerzlos und repräsentativ zu genießen.
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Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erträumten sich Europäer den Orient als Gegenbild der heimischen Verhältnisse. Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz ließ sich 1779 im Schwetzinger Schlosspark eine Moschee errichten. Sie symbolisierte für ihn das Ideal eines toleranten Glaubens an den einen Gott hinter allen Bekenntnissen. Eine typische Orientphantasie des 19. Jahrhunderts führt die Stuttgarter Wilhelma vor Augen. König Wilhelm I. von Württemberg schuf sich mit ihr ein morgenländisches Lustschloss, in das er vor der Nüchternheit der Regierungsgeschäfte floh.