Markgräfin Sibylla Augusta reiste im Sommer 1719 nach Florenz. Sie wohnte bei ihrer Verwandten Anna Luisa de Medici, der späteren Großherzogin der Toskana. Die Famile des Großherzogs besaß berühmte Werkstätten, in denen die Spezialisten für Steinschneide-Technik, auch Pietra-Dura (harte Steine) genannt, arbeiteten. Sibylla Augusta konnte diese Werkstätten besichtigen und sich vom Werkstattleiter persönlich beraten lassen: Sie kaufte einige Produkte wie den Prunktisch, andere bekam sie von der großherzoglichen Familie geschenkt.
Insgesamt 55 Comesso-Tafeln, die sie um 1720-25 erhielt, sind in die Vertäfelung des Florentiner Kabinetts eingelassen. Mittelpunkt des Raumes ist der Prunktisch, den die Markgräfin in Florenz erwarb.
Die in Florenz erworbenen Pietra Dura-Tafeln bezeugen eindrucksvoll, wie die Markgräfin ihre Reisen und verwandtschaftlichen Verbindungen nutzte, um Gesehenes als Anregung aufzunehmen und mitgebrachte Kostbarkeiten bei der Ausstattung in der Favorite und in der Schlosskirche nach ihren Vorstellungen zu verwenden.
Farbenprächtige Pietra-dura-Arbeiten aus Florenz
Zu sehen sind die unterschiedlichsten Motive, zum Beispiel ein Kentaur, Mischwesen, halb Mensch, halb Pferd; ein Stilleben mit Obst; ein Papagei auf einem Zweig.
Die Fußböden in den Prachträumen
Sie ahmen die farbenprächtigen italienischen Tafeln in Steinschnitt nach: Hier wurde ein aus farbigem Gips angefertigter Kunstmarmor verwendet. Man nennt die Technik Scagliola.
Augentäuschungen
Die Scagliola-Böden sind in der Favorite nicht nur besonders reich geschmückt, sondern sollen die Betrachter mit der Illusion eines realen Gegenstands täuschen. Solche Augentäuschungen, französisch „Trompe-l’oeil“ genannt, waren im Barock sehr beliebt. Hier verschiedene Tiermotive (Vogel, Maus und Eidechse) vom Fußboden des Florentiner Kabinetts: