„... mit goldenen Ciratten und bunden Japonischen Figuren“

Die Porzellansammlung der Markgräfin Sibylla Augusta

Mit dem Bau ihres Lustschlösschens Favorite verwirklichte sich Markgräfin Sibylla Augusta einen Traum: den eines eigenen Porzellanschlosses. Die Liebe zum „weißen Gold“ war ihr gewissermaßen bereits in die Wiege gelegt worden: Schon im böhmischen Heimatschloss Schlackenwerth hatte es eine umfangreiche Sammlung an Porzellan und Fayencen gegeben, die Sibylla Augusta nach dem Tod des Vaters erbte. Zeit ihres Lebens mehrte und pflegte die Markgräfin mit besonderem Kunstsinn und mit Kennerschaft den Bestand.

Die Kostbarkeiten gelangten auf ganz unterschiedlichen Wegen in ihren Besitz. Den Grundstock bildeten Sibylla Augustas Erbstücke, die zunächst, zusammen mit Porzellanen, die der Markgraf in den Türkenfeldzügen erbeutet hatte, im Porzellankabinett in der Rastatter Residenz aufgestellt waren.

Chinesische Deckelvase Schwarzporzellan Schokoladen-Service

Den größten Teil der Sammlung erwarb Sibylla Augusta jedoch für ihr Porzellanschloss. Am umfangreichsten vertreten ist, wie in anderen Keramiksammlungen der Zeit, chinesisches Porzellan: Ob blau-weiße Dekore, sogenanntes weißes „Blanc de Chine“-Porzellan oder braunes Steinzeug – sie alle spiegeln den Geschmack der Zeit um 1700. Auch japanische Kostbarkeiten sind in der Sammlung zu finden: So besaß die Markgräfin vielfarbig bemaltes Kakiemon- und blau-rot-goldenes Imari-Porzellan.

Überall ist die Liebe der Markgräfin zum „weißen Gold“ zu entdecken. Auf dem Deckengemälde im Blumenzimmer tummeln sich in realistischer Malerei Putten, die mit kostbaren Porzellanen spielen.

Deckengemälde


Meißener Porzellan

Bemerkenswert sind vor allem die über 150 Porzellane aus der Frühzeit der Meißener Manufaktur. Am Hofe des porzellanbegeisterten Kurfürsten August des Starken von Sachsen, mit dem Sibylla Augusta eine lebenslange Freundschaft verband, war es 1707 gelungen, chinesisches Steinzeug nachzuahmen, und 1709 sogar, das Geheimnis des weißen Porzellans zu entdecken und es selbst herzustellen. So war es nicht verwunderlich, dass die kunstsinnige Markgräfin auch Zeugnisse dieser frühen europäischen Porzellanproduktion erwarb.

Auch wenn man heute nur recht wenig von der ursprünglichen Sammlung weiß und die genaue Aufstellung der Stücke nicht mehr kennt, so hat sich mit den verbliebenen 1.500 Keramiken, darunter 700 Porzellane, doch ein einzigartiges Ensemble und ein außerordentliches Zeugnis barocker Sammelleidenschaft erhalten.

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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook