Reiseleben - wechselnde Aufenthaltsorte
Als Ludwig Wilhelm 1693 das Kommando gegen die Truppen Ludwigs XIV. am Oberrhein übernahm, zog Sibylla Augusta von Schlackenwerth in die Nähe des Kriegsschauplatzes. Feindliche Vorstöße zwangen sie, ihren Aufenthaltsort immer wieder zu wechseln. Das zeigen die Geburtsorte ihrer Kinder: Sie kamen ab 1695 in Günzburg, Augsburg, Nürnberg, Ettlingen und Aschaffenburg zur Welt. Erst das neunte Kind, August Georg, wurde 1706 in der ein Jahr zuvor bezogenen neuen Rastatter Residenz geboren.
Ludwig Wilhelm führte derweil – von 1693 bis 1705 – ein Leben im Sattel und Reisewagen, rastlos unterwegs zwischen den Schauplätzen des Krieges und der großen Politik, zwischen seiner Markgrafschaft und den Aufenthaltsorten seiner Frau.
Um die Strapazen dieses Reiselebens zu ermessen, muss man sich in die Verhältnisse um 1700 zurück versetzen. Chausseen mit festem Untergrund waren damals in Deutschland noch fast unbekannt. Die Strassen ließen sich oft kaum als solche erkennen und versanken nach der Schneeschmelze oder bei Regen im Schlamm. Allenfalls Reiter oder leichte Reisewagen kamen in 24 Stunden 100 km voran. Quälend langsam verlief der Transport schwerer Lasten – etwa eines fürstlichen Haushaltes. Waren keine Seen oder Flüsse nutzbar, blieben von Ochsen gezogene Lastkarren und – für unwegsames Gelände – Maulesel. Sie bewegten sich im Fußgängertempo fort.