Schloss Scheibenhardt und die Jagdleidenschaft

Heinrich Lihl (1690-1756), „Die eingestellte Jagd“ aus Favorite

Seit dem 16. Jahrhundert besaßen die badischen Markgrafen das Jagdrecht in der Gegend um Scheibenhardt. Wie in vielen Fürstenhäusern entwickelten sie die Jagden zu gesellschaftlichen Ereignissen, die im Hofkalender fest verankert waren: Die höfische Jagd gehörte zum Repertoire fürstlicher Vergnügen und zur Inszenierung der herrscherlichen Position. Allerdings gab es auch kritische Stimmen unter den Fürsten, die den Kostenaufwand der repräsentativen sogenannten "eingestellten Jagden" ebenso wie die Lasten, die die Untertanen dabei zu tragen hatten, anmahnten.

Markgräfin Sibylla Augusta und ihr Sohn Ludwig Georg als Jäger und Jägerin gekleidet

Markgräfin Sibylla Augusta war eine begeisterte Jägerin und förderte die Neigung ihres Sohnes Ludwig Georg. Seine zunehmende Leidenschaft für die Jagd brachte ihm den Beinamen „Jägerlouis“ ein, führte allerdings auch dazu, dass er seine Regierungsgeschäfte vernachlässigte. Er zog sich immer öfter auf das Jagdschloss in Scheibenhardt zurück. Und nicht zuletzt: Die Schulden, die der Jägerlouis auch durch seine Jagdleidenschaft verursachte, brachten die Markgrafschaft an den Rand des Ruins.

Der Bau des Jagdschlosses Scheibenhardt

Um den repräsentativen Rahmen für eine standesgemäße Jagd zu bieten, waren verschiedene Jagdschlösser nötig. Markgräfin Sibylla Augusta widmete sich ab 1698 dem Ausbau von Schloss Scheibenhardt, ab 1710 auch dem Bau des Lust- und Jagdschlosses Favorite.

Außenansicht von Schloss Scheibenhardt

Schloss Scheibenhardt
Heinrich Lihl (1690-1756), Auerhahn, Fasane und Großtrappen


Die Pläne für Scheibenhardt wurden gleichzeitig mit den Umbauarbeiten am Rastatter Schloss von dem italienischen Architekten Rossi entwickelt. Scheibenhardt entstand als dreigeschossiger Bau mit einem zentralen Saal, der über Freitreppen mit einer Gartenanlage verbunden war. Ob das Projekt über den Rohbau hinaus fertig wurde, ist heute unbekannt. Im Krieg gegen Frankreich (1701-1714) wurde Scheibenhardt in die Verteidigungslinien einbezogen. Erst für 1721 ist ein Umbau der Anlage durch Michael Ludwig Rohrer, den Architekten der Markgräfin belegt.

Jagdbilder von Heinrich Lihl

25 Jahre später ließ Markgraf Ludwig Georg Pläne für umfassende Modernisierungsarbeiten ausarbeiten, die 1754 ausgeführt wurden. 1755 heiratete Ludwig Georg ein zweites Mal. Die bayerische Prinzessin Maria Josepha teilte die Jagdleidenschaft ihres Gemahls. Gemeinsam ließen sie Schloss Scheibenhardt neu ausstatten. Der Hofmaler Heinrich Lihl, den Markgräfin Sibylla Augusta einst aus Böhmen an den Hof geholt hatte, erhielt den Auftrag, dem Mittelsaal eine gemalte Tapetenausstattung zu geben. Die Bilder zeigen Arten von einheimischen und exotischen Vögeln, die teils wildlebend, teils in einer Menagerie um Scheibenhardt gehalten wurden.

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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook