Pressemitteilungen – Hintergründe und Details

Das Residenzschloss Rastatt

Einen neuen Akzent in die Architekturlandschaft des Oberrheins setzte die Residenz Rastatt mit ihrer Einheit von Schloss, Park und Stadt. Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden erteilte 1699 den Auftrag zum Bau seiner Residenz, die in nur wenigen Jahren verwirklicht wurde. Noch heute stellt die von Domenico Egidio Rossi entworfene Residenz eine Musteranlage für ein barockes Gesamtkunstwerk dar. Die gewaltige Dreiflügelanlage ist weder durch bauliche Veränderungen noch durch Kriegszerstörungen wesentlich beeinträchtigt worden. Auch im Innern ist die Raumabfolge und die reichhaltige Raumdekoration von späteren Modernisierungen weit gehend verschont geblieben. Der nahezu einmalige Erhaltungszustand ermöglicht es, an der sich von Raum zu Raum steigernden künstlerischen Ausstattung das höfische Zeremoniell des frühen 18. Jahrhunderts abzulesen. Das Schloss Rastatt nimmt daher unter den großen deutschen Barockschlössern einen hervorragenden Platz ein.

Wie die Länder ringsum, so war auch die Markgrafschaft Baden mitsamt der Residenz in Baden-Baden 1689 von den Truppen Ludwigs XIV. völlig zerstört worden. Daher wohnten der Markgraf und seine Frau, Prinzessin Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg, seit ihrer Hochzeit 1690 in Schlackenwerth, soweit dies die Feldzüge des Markgrafen zuließen. Dieses böhmische Schloss in der Heimat der Markgräfin ließ das Paar zu ihrer neuen Residenz um- und ausbauen.

Erst nach dem Friedensschluss von Rijswijk 1697 war es möglich, Pläne für eine neue Residenz in der Markgrafschaft Baden zu schmieden. Der unmodern gewordene Familiensitz in Baden-Baden kam für einen repräsentativen Schlossneubau nicht mehr in Frage, die Residenz sollte an Stelle eines bereits 1696 begonnenen Jagdschlosses in der Rheinebene entstehen. Als Architekten für die Residenz, wie auch zuvor bereits für das Jagdschloss, hatte Ludwig Wilhelm den Italiener Domenico Egidio Rossi (1659-17159) beauftragt. Rossi stammte aus der Adriastadt Fano und begann seine künstlerische Laufbahn als Freskenmaler in Bologna. In der alten Universitätsstadt betrieb Rossi auch architektonische Studien. Manches, was er dort gesehen hatte, setzte er bei seinen eigenen Bauten später um. Dass Freskanten zum Beruf des Architekten wechselten, war in damaliger Zeit keine Seltenheit. Seit 1692 war Rossi in Prag und Wien als Architekt tätig, wo auch Ludwig Wilhelm auf ihn aufmerksam wurde. Mit Rossi kam die erste italienische Künstlergruppe nach Rastatt, zu der der Stuckateur Giovanni Battista Artario und die Freskanten Paolo Manni und Giuseppe Roli gehörten.

Der Bau erfolgte in rasanter Bauzeit: Es wurden Teile des begonnenen Jagdschlosses übernommen, so dass 1702 der Hauptbau im Rohbau fertig gestellt war und die Familie 1705 einen Seitenflügel beziehen konnte. Beim Tod Ludwig Wilhelms 1707 war die Innendekoration weit gehend vollendet. Nur wenige Monate später entließ Markgräfin Sibylla Augusta den Italiener Rossi und ernannte den böhmischen Baumeister Johann Michael Ludwig Rohrer (1683-1732) zum neuen Hofarchitekten. Sie beauftragte ihn mit der Behebung entstandener Wand- und Deckenschäden – verursacht durch das Einlegen von zu frischem Holz während der extrem kurzen Bauzeit. Rohrer kümmerte sich auch um die Erweiterungen am Mittelbau des Schlosses: Ein neuer Dachaufbau entstand und der „Sibyllenbau“ erhielt seine endgültige Gestalt. Für alle weiteren Bauvorhaben der Fürstin lieferte Rohrer die Pläne, sei es nun für die Schlosskirche in Rastatt oder für das Lustschloss Favorite.

Stilistisch erinnert das Rastatter Schloss an Wiener Bauten in Anlehnung an die kaiserliche Architektur. Wenn Rastatt als „badisches Versailles“ bezeichnet wird, dann trifft dies auf die Stadt- und Gartenplanungen zu. Zum Beispiel sind die drei vom Schloss ausstrahlenden Straßen stark am französischen Vorbild orientiert. Mit dem Kopieren der Schöpfung Ludwigs XIV., des „Sonnenkönigs“, symbolisiert Ludwig Wilhelm sein Selbstverständnis und verleiht seinem Machtanspruch Gestalt.

Auch das gesamte Bildprogramm des Schlosses stellt seine Verdienste als Landesfürst und Feldherr dar. Es verherrlicht in erster Linie Ludwig Wilhelm als erfolgreichen Verteidiger der bedrohten Christenheit und mächtigen Türkenbezwinger. Bereits die Darstellungen im Treppenhaus, die Stuckfiguren, Reliefs und Deckengemälde, zeigen die siegreichen Taten Ludwig Wilhelms und reihen ihn unter die großen Feldherren der Weltgeschichte ein. Beispielsweise zeigen Bildmedaillons Büsten berühmter Feldherren wie Cäsar, Scipio und Wallenstein.

Die symbolische Verherrlichung steigert sich im Obergeschoss und erreicht einen ersten Höhepunkt im Ahnensaal. Über und über ist der Saal mit Stuckaturen geschmückt. Neben Waffen, Trommeln und Fahnen sind auch hier, wie bereits im Vorsaal, besiegte und in Ketten gelegte Osmanen zu sehen. Sie sind dieses Mal als vollplastische Stuckfiguren gearbeitet und scheinen das Deckengewölbe zu tragen. Die Anordnung besiegter Feinde inmitten von Kriegstrophäen symbolisiert den Triumph des Feldherrn über das Heer der „Ungläubigen“. Bekrönt wird der Saal von einem zentralen Deckenbild, das die Aufnahme des Herkules in den Olymp darstellt. Keine Frage, dass in diesem griechischen Gott Ludwig Wilhelm allegorisch verherrlicht wird.

Auch in dem Appartement des Markgrafen wird das Bildprogramm beibehalten und im Paradeschlafzimmer in seiner Ausführung auf das Höchste gesteigert. Die Raumdekoration ist hier besonders reichhaltig und die Stuckfiguren sind in diesem Raum zum Teil sogar vergoldet. Im Appartement der Markgräfin ist zum einen die Verherrlichung Sibylla Augustas als Gemahlin des Türkenlouis das Thema der Fresken und Stuckdekorationen, zum anderen werden ihre Pflichten als Regentin und Mutter betont.

Neben den Prunkräumen im Hauptgebäude stellt die Schlosskirche „Zum Heiligen Kreuz“ am nördlichen Gartenflügel eine weitere Besonderheit dar. Markgräfin Sibylla Augusta gab sie – inspiriert von einer Pilgerreise nach Rom – in Auftrag. Nach Entwürfen Johann Michael Ludwig Rohrers wurde die Kirche mit großem Aufwand ausgestattet. Sie hat sich mit ihrem besonderen Reichtum in der Ausstattung über 300 Jahre fast unverändert erhalten, so dass der Kirchenraum noch heute den Geist der Schöpferin atmet.

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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook