Die Schlossanlage

Gartenfassade

Nachdem sein Stammschloss in Baden-Baden durch französische Truppen 1689 zerstört worden war, ließ Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden den unmodern gewordenen Familiensitz nicht wieder aufbauen. Stattdessen wollte er eine neue Residenz auf einer freien Fläche gründen. Sie sollte die typischen Merkmale eines planmäßig errichteten absolutistischen Fürstensitzes aufweisen. Macht, Reichtum und politische Bedeutung sollten auf diese Weise demonstriert werden: für den Markgrafen besonders wichtig, weil sich 1697 Ludwig Wilhelms Hoffnungen auf die polnische Königskrone zerschlagen hatten und er gezwungen war, sich endgültig in seinen eigenen Landen niederzulassen.

Markgraf Ludwig Wilhelm

Zunächst plante der Markgraf ein Jagdschloss in der weiten Rheinebene von Rastatt: Im März 1698 begann der Bau durch den italienischen Architekten Domenico Egidio Rossi (1659-1715). Doch dann beschloss Ludwig Wilhelm, Rastatt zur befestigten Residenzstadt auszubauen. Das fast vollendete Jagdschloss wurde teilweise wieder abgetragen, um Platz für das neue Residenzschloss zu schaffen. Rossi erhielt den Auftrag zur Planung und Ausführung einer repräsentativen Schlossanlage auf dem Grund des Dorfes Rastatt, das der Markgraf 1700 zur Stadt erhoben hatte.

Schloss Rastatt: Ehrenhof mit Auffahrt und Balustradenfiguren an der Terrasse. Blick auf das Corps de logis, axial von Südwesten.

 

Schloss Rastatt, Ehrenhof

Die bis 1707 erbaute Rastatter Residenz stand am Beginn einer ganzen Reihe großer Schlossanlagen, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Deutschland erbaut wurden. Das Schloss in Versailles, Residenz des französischen Sonnenkönigs, war bei allen diesen prächtigen Bauten das Vorbild. Ludwig Wilhelm war der erste deutsche Fürst, der das Versailler Modell mit all seinen Gestaltungsprinzipien tatsächlich umsetzen ließ.
Die Kosten für das Rastatter Projekt sollen sich auf 12 Millionen Gulden belaufen haben!

Lysimachos, Sandsteinskulptur Gartenseite des Corps de logis Vergoldete Jupiterskulptur

Der eigentliche Schlossbereich besteht aus einer gewaltigen Dreiflügelanlage, die den weiten Ehrenhof rahmt. Zu beiden Seiten des langgestreckten Hauptbaus, des Corps de Logis, führen zwei Gartenflügel die Längsachse nach Norden und Süden weiter - insgesamt 230 Meter! Am nördlichen Gartenflügel liegt die Schlosskirche, am südlichen befand sich das Schlosstheater (nicht mehr erhalten). Der Ehrenhof wird von zwei länglichen Flügeln eingefasst und durch die Ehrenhofterrassen von der Stadt abgegrenzt. Hinter den Ehrenhofflügeln befanden sich Kasernen- und Küchengebäude, Ställe und Remisen. Die Verwaltung, Gäste des Hofes und die Dienerschaft waren ebenfalls innerhalb des weitläufigen Komplexes untergebracht.

Stadt Rastatt: dreiteilige achsensymmetrische Gesamtanlage nach Plänen des Architekten Domenice Egidio Rossi:
weitläufige Schlossanlage, rückseitig anschließender Garten und planmäßig erstellten Wohnhäusern vor dem Schloss.

Luftaufnahme
Markgraf Carl Friedrich von Baden-Durlach (1728-1811)

Mit dem Tod des letzten Markgrafen von Baden-Baden im Jahr 1771 starb die Linie aus, Land und Schloss fielen an Markgraf Carl Friedrich von Baden-Durlach. Rastatt wurde über lange Zeit nicht mehr als Residenz benötigt, die Schlossanlage daher nicht wie sonst üblich entsprechend dem neuesten Zeitgeschmack umgebaut. Es blieb mit seinen reichen Stuckaturen und Gemälden fast unverändert erhalten. Nur die Möbel und die übrige bewegliche Einrichtung wurden weggebracht und gingen zum größten Teil verloren.

Schloss Rastatt gehört zu den wenigen Residenzschlössern, die auch den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden haben. Seit 1989 ist das Hauptgeschoss, die Beletage, öffentlich zugänglich.

Vergoldeter Putto Stuckornament Supraporte: Allegorie der Musik
Weitere Informationen zu Rastatt
 
 
Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook