Ein Schloss ohne Garten war in der Architektur des 18. Jahrhunderts undenkbar. Der Park war eine Verlängerung der Festräume ins Freie und verdeutlichte den allumfassenden Herrschaftsanspruch des Fürsten, der auch die ihm untergeordnete Natur umfasste.
Ende des 17. Jahrhunderts legte der Italiener Domenico Egidio Rossi dem Markgrafen Ludwig Wilhelm seine Pläne für den Gesamtkomplex aus Stadt, Schloss und Garten vor. Zeitgleich mit dem Schloss wurde 1700 auch mit den Arbeiten am Garten begonnen, beim Tod des Markgrafen 1707 waren sie jedoch noch nicht abgeschlossen. Was blieb, war ein „großer aber wüster Platz“. Mehrere Pläne folgten, die allerdings aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden konnten.
Erst 1772 unter Markgraf Carl Friedrich gelang es, den Schlossgarten nach Plänen von Franz Ignaz Krohmer zu realisieren. Aber auch dieser Garten hatte nicht lange Bestand: 1832 wurde er in Einzelgärten und Felder aufgelöst und in den 1840er Jahren, als Rastatt zur Festung ausgebaut wurde, für militärische Übungen freigegeben. Einen neuen Versuch, nun doch ein Residenzschloss mit Garten in Rastatt zu verwirklichen, unternahm nach dem Ersten Weltkrieg Max Laeuger. Seine Idee war es, einen „neuzeitlichen Volksgarten“ zu schaffen. Aber während der Kriegs- und Nachkriegszeit ereilte auch diesen Garten dasselbe Schicksal wie die vorherigen: ständige Umbaumaßnahmen führten schließlich zur Aufgabe des „Volksgartens“-Projektes.
1988 letztendlich konnte die vom Architektenbüro Gunnar Martinsson neu gestaltete Anlage eröffnet werden. Da sämtliche Pläne von Laeuger im Krieg zerstört wurden und alte Pläne aus der Barockzeit nicht mehr vollständig aufzufinden waren, orientierte sich die Neugestaltung an barocken Ideen, die modern umgesetzt wurden.
Die symmetrisch angeordneten Zier- und Nutzflächen werden von einer Doppelbaumreihe umfasst. Typisch Barock ist auch, dass sich die Achsen an Springbrunnen und Wasserbassins schneiden. Das Parterre ist dreiteilig angeordnet, wobei die mittlere Fläche als zentrales Rasenfeld belassen wurde. Zur Vertikalgliederung der Seitenteile setzte der Architekt Hecken, Pergolen und kleine Pavillons ein. Zwischen den Hecken befindet sich ein Rosenmuseum, in dem kulturgeschichtlich interessante alte Rosensorten gesammelt werden.
Durch zwei leichte Treillagebauten (bewachsene Laubengänge) und einen achteckigen Teich abgetrennt, schließt sich an die klar strukturierte Anlage ein als kleiner Landschaftspark gestalteter Teil an. Hier laden frei wachsende Bäume und ein großer Rasen zum Picknicken und Verweilen ein.