Erste Barockresidenz am Oberrhein

Residenzschloss Rastatt

Empfindliche Schönheit

Die Schlosskirche zum

Heiligen Kreuz

Die Schlosskirche in Rastatt ist ein außergewöhnliches Zeugnis der Frömmigkeit und des Geschmacks ihrer Erbauerin, Markgräfin Sibylla Augusta. Um das original erhaltene, äußerst empfindliche Bauwerk zu sichern, sind erfahrene Restauratoren am Werk.

Detailansicht: Weiß-goldener Wolkenkranz über dem Altar, Schlosskirche Rastatt; Foto: Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, Bernd Hausner

Wolkenkranz aus Stuck über dem Altar.

Rom, die heilige Stadt, als Inspiration

„Extra schön und keineswegs schlechter als die Schlosszimmer“ wünschte sich Sibylla Augusta ihre Kirche. Sie diente als Hofkirche, Wallfahrtsort und Grablege der Markgräfin. Michael Ludwig Rohrer, der Hofbaumeister, leitete den Bau zwischen 1720 und 1723. Anregungen und zahlreiche Reliquien für ihr Gotteshaus brachte Sibylla Augusta 1719 von einer Romreise mit. Noch im selben Jahr begann sie mit dem Bau der Heiligen Stiege zwischen dem Schloss und der späteren Kirche. 

Ansicht der Heiligen Stiege zwischen dem Residenzschloss Rastatt und der Schlosskirche; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Die Heilige Stiege zur Schlosskirche.

Die Heilige Stiege

Die Heilige Stiege ist eine Kopie der Scala Sancta im Lateran in Rom. Gläubigen gilt diese Stiege als Treppe aus dem Palast des Pontius Pilatus – Jesus soll dort drei Blutstropfen verloren haben. In Rastatt wurden auf der Heiligen Stiege und in der anschließenden Kapelle des Leidens Christi Reliquien von der Passion verehrt. Nur kniend durfte man sich auf der Treppe zur Kapelle hinauf bewegen. Für die Wallfahrt hierher erhielten Pilger einen Ablass.

Detailansicht: Antependium aus Pietra-Dura-Tafeln, Schlosskirche Rastatt; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Das Antependium aus Pietra-Dura-Tafeln.

Die Kapelle des Leidens Christi

Das Sanktuarium, die Kapelle des Leidens Christi, barg einst viele Reliquien. Rund 100 Knochen waren an den Wänden angebracht, andere lagen in aufwendigen Behältnissen aus Silber, Gold und Edelsteinen. Die Edelmetalle schmolz man später ein und verwertete die Steine anderweitig. Am Altar hat sich ein besonderer Altarvorsatz, ein sogenanntes Antependium, erhalten. Wie das Florentiner Kabinett in Schloss Favorite ist er mit Pietra-Dura-Tafeln, der kostbaren Steinschneidekunst aus Florenz, geschmückt.

Der Innenraum der Schlosskirche

Das Innere birgt viele Besonderheiten: eine Nische als Grab Christi – eine der Heiligen Stätten Jesu –, Alabastersäulen am Hochaltar, die man von innen beleuchten konnte, und an den Wandpfeilern und Altären original erhaltene Textilien mit Stickereien. Im Deckengemälde mit der Auffindung des Heiligen Kreuzes präsentierte sich Sibylla Augusta selbst. 1733 wurde die verstorbene Markgräfin auf ihren Wunsch in der Kirche beigesetzt. Bettet für die grose Sünderin Augusta“ lautet die Inschrift auf ihrer Grabplatte.

Der Vergleich zeigt: Die Heilige Helena im Deckengemälde der Schlosskirche ist die Markgräfin Sibylla Augusta selbst.

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