Markgräfin Sibylla Augusta hatte nur wenige Jahre nach dem Tod ihres Gemahls Markgraf Ludwig Wilhelm mit dem Bau des heute ältesten und beinahe unverändert erhalten gebliebenen Schlosses Favorite begonnen. Für den prachtvollen Sommersitz wählte Sibylla Augusta einen idyllischen Wiesengrund in Rastatt-Förch. Dort errichtete sie das Schloss von 1710 bis 1725 vollständig in eigener Verantwortung für ihren Sohn Ludwig Georg und sich selbst. Das Lustschloss auf dem Land diente den fürstlichen Vergnügungen, Geselligkeit und Spiel, der Jagd, Maskeraden, Studien und der Kindererziehung.
Schloss Favorite ist eine dreigeschossige Anlage, die mit ihren beiden Seitenflügeln einen kleinen Ehrenhof umschließt. Im Westen und Osten wurden Kolonnaden erbaut, die bald als Orangerien dienten. Der hervorgehobene Mittelrisalit des Schlosses wird von einem Dreiecksgiebel beherrscht, auf dem das baden-sachsen-lauenburgische Allianzwappen zu sehen ist. 15 Fensterachsen und die gleichförmige Reihung der Kolossalpilaster fassen das Erdgeschoss und Obergeschoss zusammen. Über eine geschwungene Freitreppe erreicht man das erste Obergeschoss mit den repräsentativen Paraderäumen. Das Erdgeschoss bot somit Platz für Nutzräume.
Im Inneren des Schlosses dominiert die Sala terrena, die durch alle Stockwerke reicht und von einem Kuppelturm gekrönt wird. Der auf den Garten bezogene rechteckige Saal wird von vier schräg gestellten Nischen in den Ecken abgerundet. In der Beletage befindet sich zu beiden Seiten dieses Zentralraums je ein Appartement, das auch ein kostbar ausgestattetes Kabinett beherbergt.
Die prächtig dekorierten Innenräume, die mit einzigartigen asiatischen und europäischen Porzellan-, Glas- und Fayencesammlungen ausgestattet sind, machen den außerordentlichen Kunstsinn der Markgräfin deutlich. Ein Besuch in Schloss Favorite macht es möglich, verschiedene Formen der Chinoiserie kennenzulernen. Die Textilien, aber auch die Lacke und Keramiken, verdeutlichen auf besondere Weise die Wirkung europäischer Asienbegeisterung im frühen 18. Jahrhundert.
Die Außenanlage des Schlosses bildet der ehemals barocke Lustgarten. Zu Zeiten der Markgräfin wurde der Garten von Alleen, symmetrischen Parterres mit Wasserspielen und Orangerien bestimmt. Im Fasaneriewäldchen gab es zahlreiche Brut- und Futterhäuser zur Zucht und Haltung von jagdbarem Wild.
In den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts wurde der Schlossgarten vom Hofgärtner Johann Michael Schweyckert modernisiert und in einen Landschaftsgarten umgestaltet, der den Charakter der Gesamtanlage im Wesentlichen bis heute bestimmt. Er bietet Durchblicke über Wiesen und Teiche, Sichtachsen und Wasserläufe. Zusammen mit dem Lustschloss und der Eremitage ist dennoch der Eindruck eines barocken Ensembles erhalten geblieben.