Erste Barockresidenz am Oberrhein

Residenzschloss Rastatt

Fromme Markgräfin

Die Katholikin

Ob Baden oder Sachsen-Lauenburg, in den Familien Ludwig Wilhelms und Sibylla Augustas pflegte man den katholischen Glauben. Wallfahrten, Marienverehrung und Kirchenstiftungen gehörten dazu – in Zeiten der Gegenreformation war katholisch zu sein auch eine politische Aussage.

Innenansicht der Rastatter Schlosskirche; Foto: Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, Bernd Hausner

Die Rastatter Schlosskirche.

Katholische Fürsten

Katholisch oder protestantisch? Die Fürstenhäuser wechselten ihre Konfession – je nachdem, was gerade klüger war. Die Baden-Badener und Sachsen-Lauenburger konvertierten Mitte des 17. Jahrhunderts zum Katholizismus. In Zeiten religiöser und politischer Konflikte zeigten sie so ihre Treue zum Kaiserhaus. Wallfahrten und Marienverehrung hatten bei beiden Familien Tradition, besonders großen Einfluss auf Sibylla Augusta hatte jedoch ihre Heimat Böhmen.

Außenansicht der Einsiedelner Kapelle in Rastatt, Johann Michael Ludwig Rohrer; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Die 1715 bis 1717 erbaute Einsiedelner Kapelle in Rastatt.

Wallfahrten

Für die Gesundheit und das Fortbestehen ihrer Familie bat Sibylla Augusta bei verschiedenen Marienwallfahrten, zum Beispiel nach Waghäusel, Triberg und Maria Bickesheim, heute Durmersheim. Die Marienkapelle in Einsiedeln in der Schweiz war achtmal ihr Ziel – mit Erfolg? 1708 begann der bis dahin stumme Erbprinz Ludwig Georg in Einsiedeln endlich zu sprechen. Zum Dank baute Sibylla Augusta in ihrer Heimat Schlackenwerth die Gnadenstätte nach. 1715 folgte die Einsiedelner Kapelle in Rastatt.

In Einsiedeln hinterließ Sibylla Augusta Votivanhänger mit Porträts von Ludwig Georg und von sich.

Innenansicht der Eremitage mit dem Altar und dem Grab Christi; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Altar mit dem Grab Christi in der Eremitage von Schloss Favorite.

Sibylla Augustas heilige Stätten

Von 1717 bis 1723 baute Sibylla Augusta in Rastatt mehrere Kapellen, die heilige Stätten aus dem Leben Jesu darstellen. Im Untergeschoss der Einsiedelner Kapelle befand sich ein vereinfachter Nachbau der Geburtsgrotte in Bethlehem. Die nicht erhaltene Loretokapelle war das Haus der Maria als Ort der Verkündigung, die Schmerzhafte Muttergotteskapelle im Schloss symbolisierte den Ort der Kreuzabnahme. Hinzu kamen in der Schlosskirche die Heilige Stiege aus dem Palast des Pontius Pilatus und das Grab Christi.

Einfluss der strengen Jesuiten

Die Jesuiten beeinflussten Sibylla Augusta zeitweise stark. 1717 fand unter ihrer Leitung in Rastatt eine öffentliche Bußprozession statt. Die Menschen, unter ihnen die Markgräfin, trugen dabei Dornenkronen und geißelten sich. Um 1720 ließ Sibylla Augusta Gemälde verbrennen, die den Jesuiten zu „nackend und verführerisch“ – so ein Zeitgenosse – erschienen. Werke bedeutender Künstler wie Dürer, Cranach und Rubens gingen damit verloren. Solche Aktionen waren öffentliche Bekenntnisse zum katholischen Glauben im Sinne der Gegenreformation.

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