Erste Barockresidenz am Oberrhein

Residenzschloss Rastatt

Die Markgrafen und ihre Residenz

Meilensteine

Größe, Reichtum und politische Bedeutung der Markgrafschaft Baden-Baden waren begrenzt. Das Land war von Kriegen zerstört worden und entvölkert. Doch die Markgrafen bauten eine neue Residenz – Ausdruck zeitgenössischer Ideale, aber auch persönlicher Ideen und Wünsche.

Baden-Baden mit Stadtmauer und Schloss, Kupferstich, M. Merian, 1643; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Robert Bothner

Der Merian-Stich zeigt Baden-Baden.

Zerstörtes Land

Seit dem Dreißigjährigen Krieg, der 1648 zu Ende ging, war die Markgrafschaft Baden-Baden wirtschaftlich und finanziell stark angeschlagen. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg von 1688 bis 1697 brannten Truppen des Sonnenkönigs Ludwigs XIV. die Gebiete rechts des Rheins großflächig nieder. Auch die Markgrafschaft mit Schloss und Stadt Baden-Baden wurde zerstört. Nach dem Friedensschluss von 1697 entschied Markgraf Ludwig Wilhelm, in Rastatt zu bauen – ein Jagdschloss zunächst, aus dem später die Residenz wurde.

Ein Denkmal setzen

Außer den glänzenden Taten des Krieges“ kennzeichne „nichts mehr die Größe und den Geist der Fürsten als die Bauwerke“. Das sagte Jean-Baptiste Colbert (1619–1683), der Finanzminister Ludwigs XIV. – und weiter: Die Nachwelt werde die Fürsten an der Größe ihrer Gebäude messen. Nicht nur der Sonnenkönig und sein Umfeld dachten so – alle anderen Herrscher eiferten ihm nach. Den Fürsten nach außen zu repräsentieren war die Funktion aller Residenzschlösser des Barock – auch bei Ludwig Wilhelm und den ihm benachbarten Fürsten.

Benachbarte Residenzen: die Schlösser in Karlsruhe, Bruchsal und Mannheim.

Keine Residenz vorhanden

Kriegserfolge gegen die Türken hatte der Markgraf, der den Beinamen Türkenlouis trug, vorzuweisen, eine angemessene Residenz in der Heimat aber nicht. Ludwig Wilhelm und Sibylla Augusta wohnten nach ihrer Hochzeit 1690 in deren Heimat Schlackenwerth. Kunst, Architektur und Frömmigkeit in Böhmen übten bedeutenden Einfluss auf Sibylla Augusta aus und flossen in ihre Bautätigkeit ein. Der Markgraf dagegen setzte auf italienische Künstler. Sie sollten ihn als Landesherrn und erfolgreichen Kriegshelden unvergessen machen.

Porträt des Türkenlouis: Markgraf Ludwig Wilhelm; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Der Türkenlouis: Markgraf Ludwig Wilhelm.

Nach dem Tod des Türkenlouis

Ludwig Wilhelm starb 1707, das Schloss war zu diesem Zeitpunkt gerade mit Stuck und Malereien vollendet. Seine Ehefrau Sibylla Augusta regierte bis zur Volljährigkeit Ludwig Georgs 1727. Nach dessen Tod kam sein jüngerer Bruder an die Macht – ohne männliche Nachkommen. 1771 übernahm die verwandte Linie von Baden-Durlach die Markgrafschaft. Ein großer Teil der mobilen Ausstattung von Residenzschloss und Kirche ging nach 1771 verloren, doch das Ensemble als solches wurde nie zerstört.

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