Genien-Figuren, Bauschmuck auf dem Mittelrisalit, Residenzschloss Rastatt

Barock und Rokoko

Stilgeschichte

Ob Schlösser oder Kirchen: Die Kunst des Barock wird durch den Wunsch nach Repräsentation bestimmt. Architektur, Malerei und Stuck verbinden sich zu einem Gesamtkunstwerk. Im Schloss von Rastatt lässt sich das besonders deutlich erkennen.

Idealplan der Stadt Rastatt von 1798

Idealplan der Stadt Rastatt aus dem Jahr 1798.

Barock als Ausdruck des Absolutismus

Schon die Einbindung des Schlosses in die Umgebung verrät die Zeit des Barock. Die Residenz liegt im Schnittpunkt dreier strahlenförmig angeordneter Straßen, die Mittelachse von Schloss und Innenstadt setzte sich in der Landschaft fort. In der Ausrichtung von Stadt und Land auf das Schloss manifestiert sich die Herrschaftsform des Absolutismus. Ein anderes berühmtes Beispiel hierfür: die „Fächerstadt” Karlsruhe mit 38 auf das Schloss zu laufenden Strahlen - gebaut von Ludwig Wilhelms Verwandten, den Markgrafen von Baden-Durlach.

Darstellung der Macht, Medaillon im Deckengemälde des Ahnensaals, Giuseppe Roli, um 1705

Eine fürstliche Tugend: die Macht.

Verherrlichung durch Architektur, Malerei und Stuck

Der Aufbau der Residenz Rastatt ist für ein Barockschloss typisch: die Dreiflügelanlage, der symmetrische Grundriss, die großen Treppenhäuser und die Anordnung der Räume in sogenannten Enfiladen, also auf einer Achse beidseitig des Festsaals. Architektur, Malerei und Stuck bilden ein Gesamtkunstwerk. Das Ziel: den Erbauer Ludwig Wilhelm zu repräsentieren und zu verherrlichen – durch Hinweis auf seine Taten, durch seine Gleichsetzung mit Göttern und Helden und durch den überall spürbaren Prunk. 

Gefesselter Türke, vollplastische Stuckfigur im Ahnensaal, Residenzschloss Rastatt

Gefesselte Türken erinnern an den Markgrafen als Türkensieger.

Symbolik und Illusion

Treppenhäuser, Ahnensaal und Appartements sind mit stark plastischem, häufig vergoldetem Stuck geschmückt. Die geschwungenen symmetrischen Formen sind durchsetzt mit Putten, Köpfen und Kriegsgerät – als Hinweis auf den Feldherrn Ludwig Wilhelm. Neben der Symbolik liebt die barocke Kunst die Illusion. In Schloss Rastatt ist das etwa in der Quadraturmalerei – der gemalten Scheinarchitektur – in den Appartements der Markgräfin zu sehen oder im Stuckmarmor des Ahnensaals, mit dem man Stein imitierte.

Stillleben mit Putti, Vögeln, Früchten und Äffchen; ehemalige Supraporte im Residenzschloss Rastatt

Spielerische Szene mit Putto und Vogel.

Rokoko

Das Rokoko wurde seit 1730 für die Innenausstattung der Schlösser bevorzugt. In Rastatt ergänzte Johannes Schütz von 1747 bis 1752 die älteren Ornamente durch Rokoko-Stuck. Die Muschelformen, sogenannte Rocaillen, gaben dem Stil seinen Namen. Sie sind asymmetrisch, leicht und verspielter als die Ornamentformen im Barock. Das Privatappartement der Markgräfin in Rastatt zeigt die vergnügliche Grundhaltung der Zeit. Hier sind die Tapeten heller und freundlicher, Möbelformen und Bilderrahmen geschwungen, Gemälde mit bunten Papageien bevölkert.

Raumansicht des Dritten Zimmers im Appartement der Markgräfin

Leicht und vergnüglich sind die Privatzimmer der Markgräfin im Stil des Rokoko.

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