Osmanische Exotik vom Schlachtfeld Die Türkenbeute

Das Wehrgeschichtliche Museum im Residenzschloss Rastatt zeigt Teile der Beute des Markgrafen Ludwig Wilhelms von Baden-Baden. Er brachte Raritäten und Kostbarkeiten aus Südosteuropa mit: Dort war er als Feldherr im Dienste des Kaisers am „Großen Türkenkrieg“ beteiligt – und erfolgreich.

Residenzschloss Rastatt, Ludwig Wilhelm von Baden-Baden

Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, „Türkenlouis“ genannt, als Feldherr.

EIN ERFOLGREICHER FELDHERR

Ludwig Wilhelm von Baden-Baden war Markgraf, Landesherr und einer der erfolgreichsten Heerführer seiner Zeit. Mit 19 Jahren kam er zum Militär und absolvierte die einzelnen Stufen bis zum General. Im „Großen Türkenkrieg“ (1683‒1699) wurde er 1689 zum kaiserlichen Oberbefehlshaber ernannt. Sein militärisches Geschick gegen das Osmanische Reich war geradezu legendär. Er führte das kaiserliche Heer in 20 Schlachten – ungeschlagen. Dieser Erfolg brachte ihm den Beinamen „Türkenlouis“ ein.

Residenzschloss Rastatt, Wehrgeschichtliches Museum, Diorama

Mit rund 6.000 Zinnfiguren ist die Schlacht bei Slankamen nachgestellt.

VON SCHLACHTEN UND SIEGEN

Das Wehrgeschichtliche Museum im Residenzschloss Rastatt wirft einen kritischen Blick auf die Militärgeschichte des Hauses Baden. Imposant ist das Diorama der Schlacht bei Slankamen im heutigen Serbien: Hier besiegte die rund 33.000 Mann starke Armee des österreichischen Kaisers am 19. August 1691 das fast doppelt so große osmanische Heer. Ein entscheidender Sieg für die Christen unter der Führung Ludwig Wilhelms. Eine vernichtende Niederlage für das Osmanische Reich.

Residenzschloss Rastatt, Wehrgeschichtliches Museum, Türkenbeute

Osmanischer Schellenbaum – repräsentative Standarte und exotisches Musikinstrument.

EXOTISCHE BEUTE

Nach dem Kampf und der Flucht der Osmanen vom Schlachtfeld plünderten die Soldaten Kulturgüter. Exotische und vornehme Kostbarkeiten kamen in die markgräfliche Sammlung. Lange Zeit wurden die Objekte im Residenzschloss Rastatt aufbewahrt, ehe sie 1877 in die Karlsruher Residenz gebracht wurden. Noch heute zählt die „Türkenbeute“ Ludwig Wilhelms in Europa zu den wertvollsten Sammlungen ihrer Art. Im Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt sind noch besondere Stücke ausgestellt wie ein Schellenbaum.

Schellenbaum bei einer Bundeswehrparade 1969

Ein Schellenbaum bei einer Bundeswehrparade 1969 in Rastatt.

MUSKALISCHER KULTURTRANSFER

Der Schellenbaum ist ein repräsentatives, militärisches Erkennungszeichen einer Gruppe von Soldaten: Beim rhythmischen Marsch erklingen Glocken und Schellen weithin hörbar. Ausgehend von den Türkenkriegen trat der Schellenbaum seinen Siegeszug in Europa an. Das exotische Instrument war ein Feld- und Ehrenzeichen, später auch eine Siegestrophäe. Heute ist der Schellenbaum weit verbreitet: Nicht nur bei Militärparaden, sondern auch bei profaneren Anlässen wie Karnevalsumzügen.

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Schon immer zeichnete sich Europa durch sein Interesse an der Welt und ihren Schätzen aus. Kenntnisse und Kostbarkeiten aus der Fremde erweiterten den Horizont und beeinflussten Kunst, Kultur und Wissenschaft. Die Themenwelt „Exotik“ zeigt das europäische Verlangen nach Exotik in seinem ganzen Facettenreichtum.

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