Erste Barockresidenz am Oberrhein

Residenzschloss Rastatt

Raumansicht des Audienzzimmers von Markgraf Ludwig Wilhelm; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Steffen Hauswirth
Klassischer Aufbau

Das Appartement des

Markgrafen

Auf beiden Seiten des Ahnensaals erstrecken sich die Staats- und Privatappartements des Markgrafen und der Markgräfin. In Anordnung und Aufbau entsprechen sie einem Idealtypus der damaligen Zeit. Repräsentation und Regeln am Hof kann man hier besonders gut nachvollziehen.

Residenzschloss Rastatt, Vorzimmer im Appartement des Markgrafen; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Das Vorzimmer des Markgrafen.

Der Aufbau der Staatsappartements

Vorzimmer waren Warteräume für Gäste, Bittsteller und Bedienstete, konnten aber auch zum Speisen genutzt werden. In den Audienzzimmern fanden Staatsgeschäfte und Audienzen statt. Nur hochrangige Gäste und Mitglieder der Familie durften ein Paradeschlafzimmer betreten – ein wesentlicher Unterschied zu Schloss Versailles, wo der Schlafraum des Sonnenkönigs öffentlich zugänglich war. Die Pracht der Ausstattung steigerte sich von Raum zu Raum – bis hin zum kleinen Kabinett für Gespräche im erlesensten Kreis.

„Transport von Reisigbündeln“, Szene aus der Kriegskunstserie, Wandteppich aus Wolle und Seide, Brüssel, um 1700; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

„Transport von Reisigbündeln“ aus der Kriegskunstserie.

TAPISSERIEN MIT SZENEN AUS DER KRIEGSKUNST

Im Vorzimmer und im Audienzzimmer des Markgrafen sind vier große Wandteppiche aus der Kriegskunstserie der Manufaktur van der Borght in Brüssel zu sehen. Solche Tapisserien waren teuer, aber auch besonders repräsentativ. Sie dienten der Verherrlichung Ludwig Wilhelms als Kriegsheld. Die erste Szene zeigt den „Transport von Reisigbündeln“, so genannten Faschinen, für Unterstände und Schützengräben. Aber auch die Vorbereitung eines Angriffs, ein Hinterhalt und die Plünderung eines Dorfes sind zu sehen.

Schlafzimmer und Porzellankabinett; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Steffen Hauswirth

Das Paradebett wurde nicht zum Schlafen benutzt.

Schlafzimmer und Porzellankabinett

Wie ein Triumphbogen präsentiert der Alkoven, die Bettnische im Schlafzimmer, das Paradebett. Es hatte ausschließlich repräsentative Funktion. Im Anschluss liegt der kleine, aber feine Höhepunkt des Appartements: das Porzellankabinett. Seine Wandkonsolen präsentieren Keramiken in vielfältigen Formen. Spiegel vervielfachen die Pracht zusätzlich. Auch der Blick nach unten und oben lohnt – auf das Parkett mit seinen Intarsien und an die Decke mit ihrem üppigen Blumendekor.

Detailansicht der Holzvertäfelung im Schreibkabinett; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Urheber unbekannt

Holzvertäfelung im Schreibkabinett.

Das Schreibkabinett und der Rastatter Friede

Im Privatappartement liegt das Schreibkabinett. Hier sollen der französische Marschall Villars und Prinz Eugen als Vertreter des Hauses Österreich im März 1714 den Rastatter Frieden unterzeichnet haben. Der Vertrag, der sich 2014 zum 300. Mal jährt, beendete den 1701 begonnenen Spanischen Erbfolgekrieg. Für die Markgrafschaft Baden-Baden bedeutete der Friede eine Stabilisierung der Verhältnisse, die sich im weiteren Ausbau der Residenz durch Sibylla Augusta niederschlug.

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