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Erste Barockresidenz am Oberrhein

Residenzschloss Rastatt

Residenzschloss Rastatt, Heilige Leiber; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Svitkovskaja
Für immer unsterblich

Die Heiligen Leiber in der Schlosskirche

Mehr als hundert Reliquien hatte Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden in der Schlosskirche von Rastatt versammelt. Die meisten gingen Anfang des 19. Jahrhunderts verloren. Erhalten sind zwei „Heilige Leiber“, die verzierten Skelette der römischen Katakombenheiligen Theodor und Theodora, die bis heute in der Schlosskirche zu sehen sind.

Residenzschloss Rastatt, Heilige Theodora in der Schlosskirche; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Irina Svitkovskaja

Die Heilige Theodora reich verziert.

Prunkvoll für die Ewigkeit

Die beiden „Heiligen Leiber“ gehören zu den eindrucksvollen Reliquien, mit denen Markgräfin Sibylla Augusta die Schlosskirche ausstatten ließ. Dabei handelt es sich um die sterblichen Überreste des Heiligen Theodor und der Heiligen Theodora, die in gläsernen Schaukästen drapiert liegen. Von den Skeletten selbst ist nicht viel zu sehen – funkelnde Steine und reich bestickte Gewänder schmücken die Leiber und die Schädel liegen hinter bemalten Masken versteckt.  

Residenzschloss Rastatt, Deckengemälde der Schlosskirche, Detail: Kreuzauffindung durch die Kaiserin Helena im Jahr 326; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Urheber unbekannt

Die Markgräfin ist in religiöse Szenen an der Decke involviert

Gesicherte Auferstehung

Markgräfin Sybilla Augusta erhielt die beiden Reliquien von Papst Clemens XI. bei einem Aufenthalt in Rom. Dort waren sie als angebliche Märtyrer der Christenverfolgung aus den römischen Katakomben geborgen worden. Durch ihren Opfertod für den christlichen Glauben sah man in ihnen das Sinnbild für die Überwindung des Todes, da ihnen die Auferstehung gewiss sein würde. Daher erscheint es nicht verwunderlich, dass die bemalten Todesmasken eine Ähnlichkeit zu Sybilla Augusta und ihrem Gemahl Ludwig Wilhelm aufweisen.

Auch die Schlosskirche wurde mit Reliquien aus Rom ausgestattet

Neue Reliquien aus Rom

Wie in der Schlosskirche Rastatt sind sogenannte „Katakombenheilige“ in vielen andern Kirchen und Klöstern verwahrt. Während des Bildersturms in der Reformationszeit waren zahlreiche Reliquien in katholischen Kirchengebäuden geraubt oder zerstört worden. Als Ersatz ließ der Papst tausende Gebeine aus den römischen Katakomben exhumieren. Viele der Gebeine verbrachte man in deutsche Klöster und Kirchen – dort verehrte man sie als Wundertäter und Fürsprecher in der Ewigkeit.